Wie wird man Sportmoderator im Fernsehen? - Interview mit TV- Moderator Marcel Klein

Wie wird man Sportmoderator im Fernsehen? - Interview mit TV- Moderator Marcel Klein

Anna-Lena Kümpel
von Anna-Lena Kümpel

Marcel Klein ist seit 2018 Sportmoderator für ntv und RTL. Begonnen hat er seine Karriere als Praktikant bei einer Tageszeitung. Wie er von dort ins TV-Studio gekommen ist, erzählt er im Interview mit Modschool-Gründerin Anna-Lena Kümpel.


Anna-Lena: Seit wann weißt du, dass du Sportmoderator werden willst?

Marcel: Den Gedanken "das könnte ein cooler Job für mich sein" hatte ich das erste Mal in der Oberstufe. Aber einen richtigen Karriereplan hatte ich nicht.

Später habe ich für meine Masterarbeit eine komplette Sportsendung geplant, umgesetzt und moderiert. Ich habe alles von A bis Z selber gemacht und spätestens da war mir klar: Ich will in dieses Feld! Es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Nicht nur das Moderieren, sondern auch das Drumrum: Beiträge produzieren, drehen, kreativ sein.

Kannst du rückblickend sagen, was deine ersten Schritte waren?

Ich habe schon in der Oberstufe bei der Bonner Tageszeitung gearbeitet. Das war mein erster Berührungspunkt mit dem Journalismus. Hier habe ich gelernt, gut zu schreiben. Das habe ich auf meinem Weg gebraucht. Und im Studium habe ich nebenbei bei der WDR Lokalzeit in Bielefeld gearbeitet.

Was genau hast du studiert?

Meinen Bachelor habe ich in Kulturwissenschaft und Medien an der Universität Düsseldorf gemacht.

Für den Master bin ich nach Bielefeld gegangen und habe Interdisziplinäre Medienwissenschaften studiert. Das ist ein sehr praxisbezogener Studiengang und den habe ich mir bewusst so ausgesucht, weil ich aufs Arbeitsleben vorbereitet werden wollte.

Ist das ein Karrieretipp?

Ja, ohne Studium ist es oft gar nicht so leicht, in die Medienbranche zu kommen. Natürlich gibt es auch Menschen, die es anders geschafft haben. Aber ein Studium lohnt sich.

Wie hast du das Moderieren gelernt?

Im Volontariat. Ich war bei Antenne Koblenz, also im Hörfunk. Das war ein riesiger Gewinn, weil ich unglaublich viel machen konnte. Nach einer oder zwei Wochen Einarbeitung haben die mich direkt ins kalte Wasser geschmissen und mich die Vormittagssendung von 10 - 14 Uhr machen lassen. Da konnte ich nicht viel kaputt machen, weil die Hörerzahl um die Zeit nicht so groß ist.

Für die Sendung musste ich alles gleichzeitig machen: Moderieren, Musik fahren, O-Töne bereit machen, Beiträge vorbereiten. Ich habe gelernt zu sprechen und spontan zu reagieren, wenn mal was nicht klappt. Das war eine fantastische Schule und hat mich sehr gut auf meine Tätigkeit beim Fernsehen vorbereitet.

Nach deinem Volo bist du 2011 direkt zum Fernsehen gegangen. Du hast aber nicht als Moderator angefangen, oder?

Ich habe in der Redaktion angefangen und war dann auch schnell in der Live-Reporter-Rolle. Mein erster Einsatz war ein Championsleague Spiel: Leverkusen gegen Barcelona. 2012 war ich dann schon bei den olympischen Spielen in London im Einsatz.

Wow. Wie hast du Olympia erlebt?

Das war einer meiner prägendsten, tollsten Einätze. Es kommen Sportler aus allen Ländern zusammen und Olympia hat einfach eine besondere Atmosphäre. Alles ist ein bisschen familiär und die Athleten sind sehr zugänglich. Ich konnte Sportler ansprechen und die hatten wirklich Lust, sich mit mir als Reporter zu unterhalten. Diese Nahbarkeit habe ich direkt als etwas Besonderes empfunden.

Später war ich auch noch in Sotschi und Pjongchang bei den olympischen Spielen.

Du warst dann ein paar Jahre Reporter. Wie wichtig war das für deinen Job als Moderator heute?

Das ist mein Fundament. Ich habe hunderte Beiträge für alle möglichen Formate gemacht und dabei sehr viel gelernt und mich immer weiter entwickelt. Durch die vielen Reportereinsätze habe ich immer mehr Praxiserfahrung bekommen und mein Handwerk immer weiter verbessert. Denn das ist TV-Journalismus am Ende: Ein Handwerk. Du musst schreiben, kreativ arbeiten, gut schneiden und so weiter. Es ist wichtig, den ganzen Prozess zu verstehen. Es gibt kaum Moderatoren im Fernsehen, die nicht im TV-Journalismus angefangen haben.

Wie bist du dann Moderator geworden?

Ich hatte schon viele Reporter-Einsätze gemacht und habe gemerkt: Ich will ins Studio und da Sport moderieren. Irgendwann durfte ich eine Probesendung aufnehmen und das hat meinem Chef gefallen. Seit 2018 bin ich bei ntv regelmäßig im Studio und moderiere Sport und seit 2023 mache ich auch ein bisschen Boulevard bei RTL Explosiv.

Hast du noch irgendwelche Pläne für deine Karriere?

Konkrete Pläne nicht, aber ich finde es spannend, mich nicht nur auf eine Sache zu konzentrieren. Es gibt noch so viele Formate, die total interessant sind und ich glaube nicht, dass ich mich jetzt mit Anfang 40 schon fertig entwickelt habe.

Was empfiehlst du Menschen, die deinen Job machen wollen?

Klein anfangen und erstmal Stallgeruch aufnehmen. Es ist gut, ein großes Ziel zu haben, aber direkt als Anfänger irgendwo hingehen und moderieren wollen funktioniert meistens nicht. Davon kann ich nur abraten.

Je mehr Erfahrung du im Vorfeld gesammelt hast, desto besser. Mir hilft es als Moderator sehr zu wissen, was es braucht, um einen guten Beitrag zu machen. Und Fernsehen ist großes Teamplay, ohne die Kollegen im Hintergrund kann der Moderator auch nichts präsentieren.

Gibt es einen klassischen Karriereweg?

Klassisch geht der Weg über Praktikum, Studium, Volontariat und einen Redaktionsjob. Auch wenn das keine Garantie dafür ist, dass jemand Moderator oder Moderatorin wird. Dafür ist auch nicht jeder gemacht.

Kann man quer einsteigen?

Das geht, aber auch Quereinsteiger sollten im Idealfall Erfahrungen gesammelt haben. Das können zum Beispiel eigene Formate auf Tiktok, Twitch oder YouTube sein.

Was braucht es, um ein guter TV-Moderator zu sein?

Vordergründig brauchst Du eine gute Ausstrahlung vor der Kamera und solltest authentisch rüberkommen. Und Du solltest wissen, wovon du sprichst. Man kann sich in viele Themen reinarbeiten, aber du solltest große Lust aufs Thema haben. Wenn man dann auch noch auf Dinge spontan reagieren kann und eine gewisse Lockerheit mitbringt, steht schon einiges auf der Habenseite.

Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast.

Anna-Lena Kümpel
Anna-Lena Kümpel
Anna-Lena ist Moderatorin für Business Events und hat die Modschool gegründet, um Business-Starter:innen ihren Weg zum erfolgreichen Moderations-Business zu erleichtern.

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